SEO-Audit mit KI-Check und Crawler: der Ablauf in vier Schritten
Ein vollständiges Audit braucht zwei Werkzeuge: einen Crawler, der jede Unterseite auf technische Fehler prüft, und einen KI-Sichtbarkeits-Check, der zeigt, ob du in KI-Antworten überhaupt vorkommst. Die Reihenfolge entscheidet über den Erfolg — erst Technik reparieren, dann Entität und Inhalte ausbauen, dann nachmessen.
Warum ein Werkzeug nicht reicht
Die beiden Fragen, die ein Audit beantworten muss, liegen weiter auseinander, als es zunächst wirkt. Die eine lautet: Kann eine Maschine meine Seiten sauber lesen? Die andere: Werde ich in Antworten genannt? Es gibt kein Werkzeug, das beides gut kann — und dafür gibt's einen technischen Grund.
Ein Crawler arbeitet von innen: Er startet auf deiner Startseite, folgt jedem Link und protokolliert, was er findet. Er sieht deine Website vollständig, aber er sieht nur deine Website. Ein KI-Check arbeitet von außen: Er stellt einer KI echte Kundenfragen und schaut, wer in der Antwort auftaucht. Er sieht den Markt, aber nicht deine Unterseite 47.

Schritt 1: Ausgangswert festhalten
Fang mit der Messung an, nicht mit der Reparatur. Das klingt umständlich, hat aber einen handfesten Grund: Ohne Vorher-Wert kannst du später nicht sagen, ob deine Arbeit gewirkt hat oder ob sich nur die Modellversion geändert hat.
Notiere aus dem KI-Check drei Dinge:
- den Score über alle Kriterien und die einzelnen roten Punkte,
- die Domains, die statt deiner genannt werden,
- ob die Angaben über dich korrekt sind, wenn du überhaupt vorkommst.
Der zweite Punkt ist der wertvollste und wird meist überlesen. Wer statt dir genannt wird, zeigt dir dein Zielbild: Sind es Portale, fehlen dir Einträge. Sind es Wettbewerber, fehlen dir Erwähnungen dort, wo diese vorkommen.
Schritt 2: Technik reparieren
Jetzt der Voll-Crawl. Egal mit welchem Werkzeug — Seobility, Screaming Frog oder ein anderes — die Liste sieht am Ende ähnlich aus. Arbeite sie nach Schwere ab, nicht nach Reihenfolge:
| Priorität | Befund | Warum zuerst |
|---|---|---|
| Sofort | Seiten liefern 4xx oder 5xx | Kaputte Seiten kosten Vertrauen und Crawl-Budget |
| Sofort | noindex oder Disallow auf wichtigen Seiten | Was nicht indexiert ist, kann keine Quelle werden |
| Sofort | Weiterleitungsketten über drei Stufen | Crawler brechen ab, Verlinkungssignale versickern |
| Hoch | Doppelte Titles und Beschreibungen | Maschinen können die Seiten nicht auseinanderhalten |
| Hoch | Verwaiste Seiten ohne interne Links | Werden selten gefunden und selten zitiert |
| Hoch | Ladezeit über drei Sekunden | Wirkt auf Ranking und Abbruchquote |
| Mittel | Fehlende Alt-Texte, dünne Seiten | Sammelposten, in Blöcken abarbeiten |
Ein Punkt, den klassische Crawler nicht prüfen, gehört trotzdem in diesen Schritt: die robots.txt für KI-Crawler. Ein Werkzeug meldet dir „robots.txt vorhanden“ und ist zufrieden — ob OAI-SearchBot darin gesperrt ist, interessiert es nicht. Das prüfst du von Hand oder mit unserem Check (Guide zur Freigabe).
Der Vorab-Check in fünf Zeilen
Bevor ein Crawler überhaupt startet, klärt eine Handvoll Befehle die gröbsten Fragen. Das dauert zwei Minuten und erspart gelegentlich den ganzen Rest:
# Liefert die Startseite sauber aus?
curl -s -o /dev/null -w "%{http_code} %{time_total}s\n" https://deine-domain.de/
# Was steht in der robots.txt?
curl -s https://deine-domain.de/robots.txt
# Gibt es eine Sitemap, und wie viele URLs stehen drin?
curl -s https://deine-domain.de/sitemap.xml | grep -c "<loc>"
# Werden strukturierte Daten ausgeliefert?
curl -s https://deine-domain.de/ | grep -c "application/ld+json"
# Steht irgendwo ein noindex?
curl -s https://deine-domain.de/ | grep -i "noindex"
Kommt bei Zeile 1 etwas anderes als 200 oder eine Ladezeit über zwei Sekunden, hast du dein erstes Thema. Findet Zeile 5 einen Treffer, hast du womöglich dein einziges — eine versehentlich stehen gebliebene noindex-Anweisung erklärt mehr Sichtbarkeitsprobleme als jede andere Einzelursache.
Schritt 3: Entität und Inhalte
Erst wenn die Technik steht, lohnt der aufwendige Teil. In dieser Reihenfolge:
- 01Unternehmensprofil und Verzeichnisse vereinheitlichen — gleicher Name, gleiche Adresse, gleiche Schreibweise überall.
- 02Strukturierte Daten ergänzen, damit Maschinen Typ, Ort und Leistung eindeutig zuordnen können (JSON-LD in der Praxis).
- 03Bei etablierten Unternehmen: Wikidata-Eintrag prüfen oder anlegen.
- 04Die fünf wichtigsten Leistungsseiten zitierfähig umschreiben — Kundenfrage als Überschrift, Antwort mit Zahlen darunter.
- 05Erwähnungen aufbauen: Kammern, Verbände, Lokalpresse, Vergleichslisten.
Die ausführliche Begründung, warum genau diese Reihenfolge, steht im 5-Hebel-Guide.
Schritt 4: Nachmessen
Nach vier bis acht Wochen beide Werkzeuge erneut laufen lassen — mit denselben Fragen und derselben Konfiguration wie beim ersten Mal. Sonst vergleichst du zwei verschiedene Messungen und ziehst falsche Schlüsse.
Realistisch ist dabei: Die technischen Verbesserungen zeigen sich zuerst, die Sichtbarkeit in KI-Antworten deutlich später. Wer nach vier Wochen keine Bewegung sieht, hat nichts falsch gemacht — Entitätssignale reifen über Monate.
Wie oft ein Audit sinnvoll ist
| Anlass | Umfang |
|---|---|
| Regelmäßig | Zweimal jährlich ein Voll-Crawl, monatlich ein Blick in die Search Console |
| Nach einem Relaunch | Voll-Crawl innerhalb der ersten Woche — hier entstehen die meisten Fehler |
| Nach einem Serverumzug | Statuscodes und robots.txt prüfen |
| Nach einem Google-Update | Nur bei sichtbarem Traffic-Einbruch, sonst abwarten |
| Bei neuem Wettbewerb in KI-Antworten | KI-Check, kein Voll-Crawl nötig |
Die häufigste Fehlannahme: dass ein Audit ein einmaliges Projekt sei. Es ist ein Kreislauf. Websites verfallen — Links veralten, Plugins ändern Einstellungen, Weiterleitungen sammeln sich an.
Was Werkzeuge nicht leisten
Zur Einordnung gehört diese Grenze: Kein Audit-Werkzeug schreibt deine Texte um und keines baut Erwähnungen auf. Beides sind genau die Arbeiten, die am stärksten wirken. Werkzeuge zeigen dir zuverlässig, wo es hakt — und geben dir eine Liste, die abgearbeitet werden will.
Wer ein Werkzeug kauft und danach nichts ändert, hat eine Liste gekauft. Das gilt für den kostenlosen Basis-Account genauso wie für ein Abo bei 200 Euro im Monat.
Häufige Fragen
Reicht die Google Search Console?
Für die Indexierungslage ja, für ein Audit nein. Die Search Console zeigt, was Google mit deinen Seiten gemacht hat — nicht, welche technischen Fehler auf Unterseiten schlummern und ob interne Links ins Leere laufen. Sie ist eine Ergänzung, kein Ersatz für einen Crawl.
Kostenlos oder bezahlt?
Für Websites unter etwa 1.000 Seiten kommt man mit kostenlosen Grenzen gut zurecht — Screaming Frog crawlt 500 URLs gratis, Seobility bietet einen dauerhaft kostenlosen Basis-Account. Ein Abo lohnt sich erst, wenn du regelmäßig Rankings verfolgen oder mehrere Projekte betreuen willst.
Wie lange dauert ein erstes Audit?
Der Crawl läuft je nach Größe zwischen Minuten und einer Stunde von allein. Die Auswertung und das Sortieren nach Priorität kosten realistisch einen halben bis ganzen Arbeitstag. Die Umsetzung ist dann die eigentliche Arbeit.
Wer sollte das Audit machen — ich oder eine Agentur?
Den Crawl und die Auswertung schafft jeder, der sich eine Stunde einliest; die Werkzeuge erklären ihre Befunde inzwischen gut. Bei der Umsetzung liegt die Grenze anders: Weiterleitungen, Statuscodes und Servereinstellungen gehören in fachkundige Hände, wenn du dich damit nicht auskennst — dort richtet ein falscher Eintrag mehr Schaden an als das ursprüngliche Problem. Die Inhaltsarbeit dagegen kannst nur du selbst leisten, weil sie dein Fachwissen braucht.
Und wenn ich gar keine Fehler finde?
Dann ist die Technik nicht dein Problem, und du kannst Schritt 2 überspringen. Genau dafür ist die Reihenfolge gut: Sie zeigt dir früh, wo der Hebel bei dir tatsächlich liegt — statt dich Monate an Kleinigkeiten arbeiten zu lassen, während die eigentliche Lücke bei Entität und Erwähnungen sitzt.
Welches Werkzeug wir für den Crawl empfehlen und wo dessen Grenzen liegen, steht im Test von Seobility.
Seobility crawlt deine komplette Website und liefert die priorisierte Baustellenliste — kostenloser Basis-Account, deutschsprachig.
Zu Seobility ↗